Im Rahmen des interkulturellen Bildungsprogramms Erasmus+ besuchten zwei AFS-Kollegen eine Fortbildung in Dublin zum Thema: "Tablets and App Solutions".

Hintergrund der Aktion ist das Bestreben der LVR-Anna-Freud-Schule, ihre Mitarbeiter*innen unter interkulturellem Aspekt fortzubilden, strategische Schulpartnerschaften zu unterhalten, sich über bewährte Verfahren auszutauschen und innovative Ideen zu unterstützen. Wie dies konkret aussehen kann, verrät der folgende Erfahrungsbericht.

 


 

Erfahrungsbericht zur Fortbildung: Tablets and App Solutions"

Dublin, 02.10. - 07.10.2017

Von: Holger Klöckner, Mirko Sollenwerk

 

die Liffey

Dublin ist eine Reise wert. Der Fluss Liffey teilt die Stadt malerisch in eine Nord- und eine Südhälfte, die nähere und weitere Umgebung Dublins lohnt ebenfalls einen Besuch. Und natürlich dürfen die Sehenswürdigkeiten der Stadt (z.B. Trinity College, O‘Connell-Street, das Guinness-Brauhaus) und die berühmten Dubliner (um nur drei zu nennen: James Joyce, Phil Lynott, Molly Malone) nicht vergessen werden.

In der Fortbildung trafen wir auf Kolleginnen aus Deutschland, Bulgarien und Schweden, unser Lehrer stammte aus Italien. Dementsprechend unterschiedlich waren die Voraussetzungen für Unterricht mit Tablets und Internet, von denen die KollegInnen aus Europa berichteten: ein Tablet für jede*n SchülerIn sowie freies WLAN im Schulgebäude (Schweden), Kommunikation mit SchülerInnen, Eltern und KollegInnen fast ausschließlich über Facebook (Bulgarien), Schulen ohne Stühle (Italien) – und im Gegensatz dazu unsere Situation an der AFS.

In der Fortbildung kamen gut zwei Dutzend Internet-Angebote zur Sprache, die sich schulisch nutzen lassen: zur spielerischen Übung von Lerninhalten (Quiz-Spiele wie quizlet oder socrative), zum Selbststudium (die Khan-Akademy) oder zur gemeinsamen cloudbasierten Arbeit (evernote, edmodo). Dabei wurde auch über Datenschutz und Sicherheit im Internet gesprochen, und so wurden die Vor- und Nachteile von twitter, youtube und google auch thematisiert.
Immer wieder kamen wir auf allgemeine Fragen von Schule und Unterricht zurück: Trichtert die Schule allen das Gleiche ein, bringt sie nur konforme Menschen hervor? Oder soll sie es sich zur Aufgabe machen, jungen Menschen den Zugang zu ebnen zu dem, was sie lernen wollen? Bekommen SchülerInnen heutzutage in der Schule das Nötige aufgezwungen, lernen aber freiwillig über das Internet das Erwünschte?

den FC finden wir überall

Der einwöchige Aufenthalt in Dublin war geeignet, einen doch etwas genaueren Blick auf Stadt und Land zu werfen.
Dabei festigte sich der Eindruck, dass der in den Medien so genannte "irische Tiger" nach Boom- und Krisenjahren deutlich eine Aufteilung der Gesellschaft in arm und reich sichtbar werden lässt.
Auch im Oktober war die Zahl der Touristen überraschend hoch - genauso aber auch die Zahl der Obdachlosen. Nach Auskunft eines Mitarbeiters von ULearn steht dies auch mit massiven Drogenproblemen (vor allem in der auch die Touristen anziehenden Partyszene) im Zusammenhang.
Ein Hinweis, dass der Eindruck nicht bloß zufällig oder subjektiv ist - auch die Helfer von "Humans too", die abends, an Schutzwesten erkennbar, durch die Straßen gehen und Betroffene ansprechen und Hilfen anbieten, bestätigen den Eindruck der Situation.
Die Lebensverhältnisse (Wohnsituation, Einkaufsmöglichkeiten) wirkten deutlich anders im Vergleich zu Deutschland. Besonders in der nördlichen Stadthälfte ist die Armut großer Bevölkerungsteile besonders sichtbar.

Die Bibliothek von

Der selbe Mitarbeiter sprach auch - ein ganz anderes Thema - über zwei Beispiele von Kunst im öffentlichen Raum: über das in der Bevölkerung und bei Touristen beliebte Molly-Malone-Denkmal, das an eine Fischverkäuferin und Prostituierte erinnert und über "The Spire/ Monument of light", eine abstrakte Skulptur, die anlässlich der Jahrtausendwende geplant wurde.
Dabei zeigte sich, dass es, wie oft auch in Köln, den Menschen weniger wichtig ist, wie etwas aussieht oder wie es gestaltet ist, als was sich über das Sichtbare hinaus, in Anekdoten, Geschichten, Liedern mit dem Kunstwerk verbinden lässt. Auch in der bildenden Kunst zeigt sich so die äußerst lebendige Lied-Tradition in Irland.
Ebenso lehrreich wie die geplanten Kursinhalte waren sicherlich die informellen Gespräche mit den Kursteilnehmern am Rande.
In diesen wurde deutlich, dass Mirko Stollenwerk und Holger Klöckner sehr viel skeptischer den Eigenschaften digitaler Lernangebote begegnen als dies in den anderen Ländern der Fall zu sein scheint.
Bedenken hinsichtlich Datensicherheit und Anonymität der Nutzer, aber auch angesichts normierter und oft an der Oberfläche bleibender Lernerfolge erschienen in dieser Gruppenkonstellation geradezu als Ausweis der bekannten "German Angst" aber auch als Generationenfrage.

Im Ausland sind Mut, Unbekümmertheit und Experimentierfreude stärker ausgeprägt. Jedoch sind auch die Bedingungen nicht immer vergleichbar. So erscheint Schweden in den Berichten, dünn besiedelt in den ländlichen Gebieten, vergleichsweise familiär. Probleme mit der Bildungspolitik, lassen sich zum Beispiel dann schon mal bei einem persönlichen Besuch im Hause der zuständigen Politiker ansprechen. Auch der Umgang von Schülern und Lehrern, Vorgesetzten und Mitarbeitern erscheint familiärer und hierarchiefreier.
In der "eigenen Familie" hat man letztlich weniger Bedenken, was die Verschlüsselung der Daten angeht. Vielleicht kommt hier auch eine protestantische Prägung zum Tragen, die auf größtmögliche Transparenz abzielt (vergleichbar den Fenstern ohne Gardinen, wie man sie noch von den Niederlanden kennt)
Es bleibt aber auch in Erinnerung, dass dieses fast idyllische Bild Schwedens durch den zwar schon lange zurückliegenden, aber immer noch unaufgeklärten Mord an Olof Palme einen Riss bekommen hat, der nach wie vor spürbar sei.

Unser Fazit:

Wir haben viele interessante Internet-Angebote kennengelernt, die Stadt Dublin im Alltag erlebt und andere Herangehensweisen an "unseren" Alltag gesehen – das war sehr bereichernd, davon werden wir noch eine Weile zehren.


In Ergänzung...

zu den im Kurs vorgestellten Programmen, sind wir auch auf folgendes Lernprogramm gestoßen, welches hier als Beispiel für die Erweiterung auf andere Fächer dienen soll:
Das Städel-Museum in Frankfurt am Main bietet mit "Kunstgeschichte Online - Der Städel-Kurs zur Moderne" ein Angebot zum Selbststudium in fünf Modulen.

Das Angebot richtet sich an Museumsbesucher und ist kostenfrei, erfordert jedoch eine Registrierung.
Filme, Texte, spielerische und interaktive Lernformate vermitteln an Beispielen der Frankfurter Sammlung aus der Zeit von 1750 bis zur Gegenwart eine "Schule des Sehens". Diese reicht von der Bildanalyse über Stilrichtungen, politische und gesellschaftliche Hintergründe bis hin zu den Aufgaben eines Museums.
Der Kurs eignet sich für SuS der Stufen 11-13, aber ggf auch bereits für SuS der Klassen 9 und 10.

Link: http://onlinekurs.staedelmuseum.de

 


Weiterführende Links:

Die AFS im Bildungsprogram Erasmus+

Anna weltweit unterwegs

 

Bildcredits: AFS

Erfahrungsbericht: STOL/ KLÖ

Text/Red.: KAP

 

 

 

 

 

 

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